Man mag von Google halten, was man möchte. Unbestritten ist die Firma jedoch eine der innovativsten der Welt. Ihre Prinzipien können wir jedoch auch im Bereich PE anwenden.
Google arbeitet nach neun „Principles of Innovation“:
  1. Focus on the User
  2. Innovation is not Perfection
  3. Being fast is better
  4. Ideas come from everywhere
  5. Share and collaborate
  6. Data beats Politics
  7. Develop ideas, don’t kill them!
  8. Allow Errors
  9. Freedom to Passion
Natürlich besteht die Welt der Personalentwicklung nicht in der eigentlichen Produktentwicklung wie sie Google für seine Kunden im Privat- und Gewerbebereich benötigt. Aber viele der Ansätze und Prinzipien, die Google für die laufenden Innovationen benötigt und benutzt, lassen sich durchaus auch auf den Personalbereich übertragen.
Nutzerfokus und schnelle Innovation
Jedes der neun Prinzipien können wir für unseren Bereich gut übersetzen. So ist es zum Beispiel sinnvoll den Nutzer oder Anwender – in unserem Fall in der Regel den Teilnehmer – in den Fokus zu stellen. Danach sollten sich alle unsere Aktivitäten und Maßnahmen richten. Der Lerner ist am Ende der ausschlaggebende Bewerter unserer Angebote. Er gibt am Ende auch das Qualitätsurteil ab. Nicht umsonst investieren wir viel Zeit in Zielgruppenanalyse und Individualisierung von Lernmaßnahmen.
Auch die Gelassenheit in Bezug auf den Perfektionsgrad von Innovationen können wir von Google übernehmen. Es geht nicht darum, ein perfektes, ausgereiftes Programm oder Projekt auf die Beine zu stellen. Sondern bei Innovationen geht es vor allem um das Ausprobieren von etwas Neuem. Und hier gilt eben auch: Lieber schnell mit den ersten Ansätzen auf der Straße sein und Erkenntnisse sammeln, als sofort nach der perfekten Lösung zu streben. Besser schnell Ausprobieren und Anpassen, als jahrelang entwickeln.
Gemeinsam entwickeln
Google ist unter anderem auch deshalb so innovativ, weil neue Ideen nicht immer nur aus Innovationsteams kommen. So können auch wir Ideen für neue Seminare oder Entwicklungsprogramme aus den verschiedensten Quellen und von verschiedensten Mitarbeitern ziehen. Sie müssen nicht immer nur von der Personalentwicklung kommen. Auch Mitarbeiter oder Führungskräfte haben oft sehr gute Ideen und manchmal erreicht uns sogar ein Anstoß von außen: von anderen Personalentwicklern, von Experten oder von Menschen aus völlig anderen Bereichen wie Sport, Wissenschaft oder Technik.
Kooperation und Zusammenarbeit sind bei uns in der Regel schon gut entwickelt und heute nicht mehr wegzudenken. Keines unsere Programme kann umgesetzt werden ohne benachbarte Abteilungen.
Datenbasierte Innovation mit aktiver Unterstützung
Woran es allerdings häufig noch scheitert, ist die Datenbasis, auf der wir unsere Neuentwicklungen aufbauen. Wir sollten uns noch stärker um verlässliche, nachvollziehbare, sinnvolle Daten über unser Trainingsgeschehen und seine Effekte bemühen. Diese Daten sollten dann die Basis bilden für alle weiteren Entscheidungen und Entwicklungen. Und dabei darf nicht die Innenpolitik im Vordergrund stehen. Nicht was von der Geschäftsführung gewünscht ist oder was wir uns selber wünschen gibt den Ausschlag für oder gegen ein Projekt, sondern der Bedarf der Mitarbeiter und des Unternehmens sollte fokussiert werden. Nur dann können wir zielgerichtet arbeiten.
Das Google-Prinzip, das mir am besten gefällt – „Develop ideas, don’t kill them!“ ist ebenfalls in unserem Personalbereich umsetzbar. Denn beim Fördern von Ideen geht es häufig nicht um Strukturen oder Rahmenbedingungen, sondern in erster Linie um die Haltung, die wir zueinander haben. Wir sollten Ideen offen aufnehmen und Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Unvoreingenommen, egal wie wir sie vielleicht selber gerade finden und egal von wem sie kommen. Jede Idee sollte einen Nährboden finden und nicht tot geredet werden. Wenn die Datenbasis und die gesammelten Erkenntnisse dann darauf hinweisen, dass man besser nicht umsetzt – okay. Aber ich wette, dass auch viele tolle und überzeugende Ansätze dabei herauskommen können, die wir sonst bereits in den Kinderschuhen totreden. Schade! Da vergeben wir uns so viel Potential!
Fehlertoleranz und echte Leidenschaft
Das Akzeptieren von Fehlern und das schnelle Weitergehen zur nächsten Herausforderung sind sowohl die wichtigsten Prinzipien von Google, aber gleichzeitig auch Elemente, die in unserem PE-Alltag am schwersten umzusetzen sind. Denn natürlich wollen wir erfolgreich sein und klappt etwas nicht, sehen wir es – typisch deutsch – als Niederlage an. Wir selbst, aber auch im Team und im Rest der Firma. Stattdessen brauchen wir eine Kultur, die akzeptiert, dass von zehn Ideen, nur eine ans Fliegen kommt, die aber richtig. Und die neun anderen Ansätze, die das Rennen nicht gemacht haben, sind wertvolle Lernfelder und keine Misserfolge.
Das letzte Prinzip hingegen, bereitet uns keinerlei Schwierigkeiten, denn die meisten Personaler, die ich bislang kennenlernen durfte, sind mit dem Herzen voll dabei und verfolgen ihre Themen mit großer Leidenschaft. Nun muss es uns nur noch gelingen, diese Passion auch zu transportieren – zu den Kollegen, den Mitarbeitern, den Führungskräften bis rauf zur Geschäftsführung. Denn jeder Mitstreiter, den wir gewinnen, hilft dabei, neue Ideen zu generieren, zu fördern und umzusetzen. Denn das zeigt Google ganz deutlich: Allein geht es nicht. Gemeinsam sind wir stärker. Und wir müssen alle am gleichen Seil ziehen, anstatt gegeneinander zu agieren.