Uli Grothe und Mat Lock zeigen in ihrem Buch „Rocking the Ship“ wie man die Konkurrenz analysiert, um selbst zu neuen Lösungen zu kommen. Ein prima Tool auch für Optimierungen im HR-Bereich.

Die Frage, die dem Buch zugrunde liegt ist, warum es immer wieder Firmen gibt, die extrem innovative Lösungen entwickeln, die den Markt gehörig durcheinander bringen und das Nutzerverhalten teilweise für immer verändern. An schönen Beispielen aus der Geschichte zeigen Grothe und Lock auf, was genau gemeint ist und wie das unsere Wirtschaft und unseren Alltag geprägt hat. Angesichts der Digitalisierung muss dann folgerichtig der nächste Schritt kommen: Wie kann ich das auch? Wie kommt mein Unternehmen zu disruptiven, erfolgreichen Konzepten, die uns in die Zukunft führen?

Hilfreiche Systematik

Grothe und Lock schlagen für die Bearbeitung dieser heute so entscheidenden Frage aus meiner Sicht das Richtige vor: Objektivieren. Analysieren, wie macht das mein Wettbewerber eigentlich genau – und dann schauen, was wir davon lernen können.

Die innovativen Firmen, die mit neuen Angeboten unser Geschäft gefährden, nennen Uli Grothe und Mat Lock Alptraumwettbewerber (Nightmare Competitors) und schlagen vor, deren Leistungen Schritt für Schritt zu untersuchen. Dazu geben sie dem Leser hilfreiche Dimensionen wie Produkt, Lieferanten oder Umsatzgenerierung an die Hand. Diese fließen ein in ein grafisch aufbereitetes Business Model Radar, das die Gaps zum eigenen bestehenden System gut darstellt.

Schön ist der klare Bezug zur Zielgruppe. Die Autoren zeigen auf, dass es ganz verschiedene Arten alptraumhafter Mitbewerber geben kann, je nach Zielgruppe und Bedürfnis, das sie befriedigen. So könnten Firmen potentielle Kunden adressieren, die bisher noch keinen Zugang zum Markt hatten, oder aber solche, die bisher noch nicht wirklich glücklich waren mit den bestehenden Angeboten. Hier empfehlen Grothe und Lock klar zu analysieren, welchen Nerv der Wettbewerb getroffen hat.

Übrigens – der Ansatz aus „Rocking the Ship“ eignet sich nicht nur für die echten Wettbewerber, die uns heute schon das Leben schwer machen. Man kann sich auch prima den perfekten Alptraumkandidaten vorstellen und dann die systematische Analyse durchgehen.

Ansatz für HR-Arbeit nutzen

Was ist ihr größter Alptraum für ihren HR-Bereich?! Im Personal haben wir sehr wohl Konkurrenz – viele Abteilungen sind von Outsourcing bedroht, viele Personalverantwortliche fürchten, durch vermeintlich innovativere Kandidaten von innen oder außen ersetzt zu werden. Deshalb lohnt es sich, die eigene Arbeit nach dieser Methode auf den Prüfstand zu stellen.

Handlungsleitend könnten Fragen sein wie:

  • Wie würde unsere Personalentwicklung aussehen, wenn sie perfekt wäre?
  • Was tun die Besten in Deutschland in der HR?
  • Wie würde ein besonders innovativer Chef den Bereich umbauen?
  • Auch etwas abwegigere Ansätze wie „Wie würde unser Bildungsmanagement aussehen, wenn wir nichts von dem machen dürften, was wir aktuell tun?“ können gedankliche Impulse geben.

An der Systematik von Grothe und Lock können wir uns dann entlanghangeln und alle Szenarien durchspielen, die unsere Alpträume hergeben. Wie bei der Analyse von Geschäftsmodellen oder Produkten im Gesamtunternehmen entdecken wir so auch für unseren Bereich Aspekte, die bislang gefehlt haben oder die wir auf eine andere Art noch besser machen können.

Und natürlich sollten auch wir unsere Zielgruppen gut im Blick haben, denn auch in unserem Unternehmen gibt es sicher Kollegen, die mit der Personalarbeit nicht zufrieden sind. Also was könnte man zum Beispiel für diese Kunden tun?

Fazit

Man kann Dinge immer besser machen. Und es gibt immer andere – Unternehmen oder Personen – denen es besser gelingt als uns selbst. Aber statt den Kopf in den Sand zu stecken, plädiert Uli Grothe und Mat Lock dafür, sich diesen Alptraumwettbewerbern zu stellen und diese bewusst für die eigene Weiterentwicklung zu nutzen. Das finde ich prima, bietet es doch echte Chancen für uns selbst. Denn den anderen klein reden und am Altbekannten festhalten mag für eine kleine Weile noch funktionieren. Auf lange Sicht schießen wir uns damit aber selbst ins Aus.

 

Info zum Buch:

Grothe, U.; Lock, M. (2017): Rocking the Ship. Turning corporate Managers into Business model mavericks. Lioncrest Publishing