Kommentare zu: Buchtipp: Systemisches Fragen in der kollegialen Beratung – Patrzek/Scholer https://www.bildungsmanagement.guru/2019/06/26/buchtipp-systemisches-fragen-in-der-kollegialen-beratung-patrzek-scholer/?utm_source=rss&utm_medium=rss&utm_campaign=buchtipp-systemisches-fragen-in-der-kollegialen-beratung-patrzek-scholer Coaching und Personalentwicklung Dr. Anne Wagenpfeil Fri, 28 Jun 2019 12:35:53 +0000 hourly 1 Von: Wolfgang Schindler, Institut für kollegiale Beratung https://www.bildungsmanagement.guru/2019/06/26/buchtipp-systemisches-fragen-in-der-kollegialen-beratung-patrzek-scholer/#comment-60 Fri, 28 Jun 2019 12:35:53 +0000 https://www.bildungsmanagement.guru/?p=1231#comment-60 Was wird aus dem Empowerment-Potential der „Kollegialen Beratung“, wenn der Ausgangspunkt der Buchrezension die Frage suggeriert, diese werde weniger unterschätzt, „wenn wir es professioneller machen. Zum Beispiel mit Fragetechniken aus der systemischen Beratung.“ ?
Um es pointiert zu formulieren: Es wird zugunsten externer Beratungsexpertise im Kern verändert, systemische Berater*innen dringen durch die Hintertür in eine als peer-to-peer- konzipierte Methode ein.
Nichts gegen systemische Fragen. Aber als Berater*in ist hier prinzipiell jede/r Kolleg*in geeignet, auch „bloß“ mit Feldkompetenz. Und nicht mal diese ist immer entscheidend für die Lösungsfindung in der Gruppe. Denn es ist das (auch) unbewusste Potential der Fallberatungsgruppe in ihrem schrittweise strukturierten Prozess, das für Fallgeber wie Berater zum weiterführendem Perspektivenwechsel führt.
Aus unserer Erfahrung der Evaluation Kollegialer Beratung nach dem ‚Heilsbronner Modell‘ wird als entlastend und ermutigend beschrieben, dass gerade keine besonders qualifizierten Fragetechniken an die Fallgeber*in erforderlich waren, weder “systemisch” noch sonst einem Konzept verpflichtet – und dennoch überraschend reichhaltige und weiterführende Lösungsschritte gefunden wurden. Der Verzicht auf Auswahl, Einigung und Anwendung spezieller Beratungsmethoden ermöglicht Fallberatung ohne externe Experten, peer to peer – ein Prozess, der als intendiertes Empowerment verstanden werden kann. Freie Aussprache als einzige Methode der Arbeit in der Gruppe ist ein mächtiges Werkzeug.
Das Wissen um die Problemlösekompetenz der Gruppe ist am Beginn einer Fallberatung noch nicht zu sehen. Ebenso verzichtet das Heilsbronner Modell darauf, den erwartbaren Beratungserfolg an die Fähigkeit der Fallgeber*innen zu koppeln, in der Falldarstellung bereits präzise Vorstellungen zur Lösung ihres Problems formulieren zu können. Es wird sogar explizit Raum für Assoziationen bereitgestellt, deren Nutzen zunächst nicht vorhersehbar sein kann, sondern erst aus dem Prozess entsteht. Dieser enthält so auch ein Moment der Selbsterfahrung von Fallgeber*in wie Berater*innen.
Der Autor Stefan Scholer weist auf die notwendige Unterstützung kollegialer Beratung von oben, durch die Organisation/die Arbeitgeberin der Mitarbeitenden hin. Nur dann wird das Potential dieser Methode für die Qualitätsentwicklung der Arbeit nutzbar. Allerdings reicht es dann eben nicht, dass das Management bspw. eine/n systemischen Berater*in einkauft, um sich von Problemen vor Ort freizukaufen. Expert*innen sind für Beratungsprozesse unverzichtbar, aber haben in der Kollegialen Beratung keinen Platz, egal ob sie systemisch fragen, Rollenspiele inszenieren oder was auch immer vorgeschlagen.

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