Beim Change-Frühstück am 7.12.2018 wurde klar: Agiles Arbeiten und Führung sind kein Widerspruch. Aber ein hartes Stück Kulturwandel. Nur wenn das Verständnis von Führung langfristig ein anderes wird, können wir agile Teams erfolgreich und freudbetont führen.

Das Change-Frühstück von Ralf Langen fand diesmal bei Siemens Financial Services in München-Neuperlach statt. Siemens hatte dazu den modern und frisch gestalteten Co-Working-Space bereitgestellt. So konnten wir zwischen Kaffee-Bar, Arbeits- und Kommunikationsbereich angeregt diskutieren. Das Thema diesmal: Was bleibt eigentlich noch von Führung, wenn wir uns alle selbst organisieren?

Zimmermann legt vor

Der Input kam diesmal vom Referenten Wolfgang Zimmermann aus Murnau. Mit tollen Bergbildern beschrieb er in einem kleinen Bergabenteuer typische Unternehmenssituationen und die führungstechnischen Herausforderungen, die sich dabei stellen. Wie führt man in dichtem Nebel, wenn eigentlich keiner weiß, wo es hingehen soll? Oder was macht man in einer Krise, wenn die Expeditionsteilnehmer ggf. selbst über Erfahrungen verfügen, die über die des Bergführers hinausgehen? An fünf solchen Bildern konnten wir uns dann unter der Regie von Ralf Langen die Köpfe heiß reden.

Führungsverständnis neu gedacht

Besonders spannend fand ich die Ergebnisse einer Studie, von denen ein Teilnehmer berichtet hat: Von „unten“ wird unter starker, guter Führung verstanden, wenn eine Führungskraft Freiräume gibt, Selbstorganisation fördert, Ideen und Kreativität zulässt und deren Umsetzung unterstützt. Von „oben“ allerdings begreift man als gute Führung immer noch sorgfältiges Berichtswesen und enge Kontrolle. 

Hier müssen wir weg von einem Denken, dass vor allem Aufgaben an die Mitarbeiter verteilt, die auf ein bereits bestehendes Zielbild hinwirken. Stattdessen wäre es viel sinnvoller, den Mitarbeitern das Problem zu übergeben und dann die Lösungsfindung und -Implementierung dem Team zu überlassen. Dieses kann dann mit agilen Methoden wie iterativem Vorgehen, Sprints, wöchentlichen Updates und starker Einbeziehung von Kunden und anderen Stakeholdern dafür sorgen, dass eine empirisch ermittelte Lösung an den Markt kommt. Statt nur wieder Ideen des Vorstandes zu verwirklichen, die kein Kunde kauft.

Ein Eindruck vom Change-Frühstück am 7.12.2018 in München
Leckeres Essen und fachlicher Input – wie immer eine gute Kombi.

Führung als Kulturfrage

Ganz deutlich wurde bei der Diskussion mit den Teilnehmern aus verschiedensten Unternehmen dabei natürlich auch, dass ein solcher Shift vor allem eine kulturelle Veränderung benötigt. Unternehmen, die Führung noch als Kontrolle verstehen, werden mit agilen Methoden keinen Erfolg haben. Die Herangehensweise ist einfach zu unterschiedlich. 

Gleichzeitig sorgen Digitalisierung und gut ausgebildete junge Mitarbeiter dafür, dass wir in den meisten Unternehmen immer stärker in Richtung einer Expertenorganisation rutschen. Alle verfügen nun über besonderes Wissen, Kenntnisse und Erfahrungen, nicht nur die Führungskraft. Alle müssen die Möglichkeit haben, dieses einzubringen – und Prozesse und Projekte anzuhalten, wenn sie der Meinung sind, dass sie nicht ideal laufen.

Positives Gruppenerlebnis

Das Change-Frühstück war wieder einmal ein toller Event, sowohl für fachlichen Input (ich werde noch mehrere Beiträge zu den diskutierten Themen schreiben) sowie zum Netzwerken. Deshalb für alle Interessierten mein persönliches Fazit: Besonders wertvoll und sehr zu empfehlen.